Teil 2 – Achtung Sex Prinz

Nein – ich will niemandem beim Wichsen zusehen
Nein – ich werde nichts von mir benutzt oder unbenutzt verkaufen oder verschenken
Nein – ich schreibe garantiert nichts über meine sexuellen Gewohnheiten
und NEIN, ich will wirklich niemandem beim Wichsen zusehen…

Jungs, es gibt Sachen, die gehen gar nicht. Neulich beim Daten:  Auf meinem scharfen, neuen, extrem großen Flatscreen erscheint – leider in extrem großen Buchstaben: „Hi, Süsse! Was würdest du tun, wenn ich mich in der Straßenbahn von hinten an Dir reibe? Du fühlst erstaunt pralles Begehren in Form meines 21×6-Bohrers…“ 

Autor: der Jens. So also malt sich jener Dating-Prinz, den ich bis eben für einen Studienrat auf Kuschelkurs hielt, unsere Zukunft aus. Dabei hatte ich ihn bereits als Seelengefährten verbucht, weil er gern Fusili-Nüdelchen futtert und Amy Winehouses neue Brüste – laut Profil – auch „irgendwie bedrohlich“ findet.

Und jetzt toppt er sogar Fridtjof, die Legende unter den Datern. Der sandte mir einst folgenden ersten, unvergesslich sensiblen Satz:  „Hi! Ich mache in Reifen!“ Erst dachte ich: Oh, ein Autowerkstatt-Besitzer! Aber nein. Fridtjof ist Gummiliebhaber mit speziellen Puller-Gewohnheiten. Als er anordnete, ihm schon mal postalisch einen getragenen Slip (möglichst String, pink!) zuzusenden, fragte ich: „Wieso das denn, Fridtjof, hast Du noch Platz in der Waschmaschine übrig?“. Zurück kam ausdauerndes, verächtliches Schweigen, bis ich fürchtete, er wäre schon mit gezückter Knarre (oder Schlimmerem!) unterwegs zu mir.

Und jetzt das – Straßenbahn. Erstens: In dieser Stadt verkehren seit 1961 keine Straßenbahnen mehr. Zweitens: 21×6-äh-Dingsda? Ich bete, dass der Jens sich verschlüsselt als Super-Handwerker verkaufen will und wirklich nur die Black&Decker meinte. Jungs, alle mal herhören: Es existieren Mädels da draußen. In echt. Die nicht vor Begeisterung in Ohnmacht fallen, wenn ihr nach dem freundlichen „Hallöchen!“ gleich eure intimsten Infos auspackt. Oder als Einführung (oh nein, zu schlüpfrig) euren Bohrer [Beep – geschwärzt] elegant in den Dialog einflechtet. Die handelsübliche Daterin AHNT zwar, dass ihr einen habt. Und ist beglückt, wenn er später mal wichtiger wird als – sagen wir – Höflichkeit. Aber : Nie in der Straßenbahn. Auch nicht beim Chat-Dating-Erstkontakt. Und auf keinen Fall, wenn wir eigentlich nur ein bisschen Kennenlernen, Komplimente und höchstenfalls verbale Küsschen suchen. Auch euer dringendes Bedürfnis, dabei beobachtet zu werden, wie ihr mit eurem kleinen Dater (21×6! Ist doch eiskalt gelogen!) mal so richtig Party macht, geht uns nix an. Sonst revanchieren wir uns demnächst mit Details aus dem Menstruationskalender. 

Ernsthaft – wir wollen nichts (außer dem alten Laptop!) benutzt oder unbenutzt verkaufen bzw. verschenken. Unsere sexuellen Vorlieben? Könnt ihr haben. Kein Thema. Aber erst, wenn ihr euch als geduldige Zuhörer für unsere Wutprobleme beim Eisprung erweist. Mit denen wir euch demnächst sofort nerven werden. Sex-Prinzen stoppt nämlich nur brutale Offenheit. Was selbst Jens begriff, als ich zurückschrieb: „Was ich in der Straßenbahn angesichts Deines Beep-Bohrer-Dings tun würde? Dir ordentlich eine scheuern!“

Nein! Ich will WIRKLICH niemandem beim [Beep-en] zusehen!

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