Aus Partnervermittlung mittels Widerruf aussteigen?

Dieser Artikel ist keinesfalls als Rechtsberatung zu verstehen und spiegelt lediglich unsere Meinung zu dieser Problematik wieder.

Peter ist 42 und schon seit einiger Zeit alleinstehend. Abends beim Fernsehgucken kommt eine Werbung, in der eine Online-Partnervermittlung ihre Dienste in den buntesten Farben anbietet. Peter, derzeit ziemlich empfänglich für solche Signale, wuchtet sich also aus dem Lieblings-Fernsehsessel und schmeisst den Computer an.

Im Internet sieht die Partnervermittlung fast noch besser aus, als grade im Fernsehen. Und das Beste: Es gibt eine unverbindliche Mitgliedschaft zum reinschnuppern.

Peter macht sich also an die Arbeit. Und die ist nicht ganz ohne: Fast 50 Seiten Fragebogen wollen ausgefüllt, Bildchen mit Wellen und Linien zugeordnet und Fragen zu persönlichen Vorlieben beantwortet werden. Nach gut 40 Minuten hat Peter es geschafft und ist Mitglied auf Probe geworden. Die ersten Kontaktvorschläge kommen auf den Bildschirm.

Als er die erste Frau auf der Liste kontaktieren möchte, kommt anstelle des erwarteten Mailformulares eine virtuelle Kasse. „Sorry, aber die Kontaktaufnahme ist unseren zahlenden Mitgliedern vorbehalten“. Um mit diesen Frauen Kontakt aufnehmen zu können, wird ein Mitgliedsbeitrag von 149,00 Euro verlangt. Für drei Monate.

„Super“, denkt sich Peter und klickt die Seite enttäuscht weg.
Aber immerhin weiss er nun laut Gutachten, welcher Typ Frau zu ihm passt.

Kurze Zeit später, am nächsten Tag, findet Peter mehrere E-Mails der Partnervermittlung in seiner Mailbox.

Viele Frauen sind neu in seiner Kontaktliste hinzugekommen und würden Prima zu ihm passen.
Es steht auch da, dass sein Profil mehrfach von Frauen besucht wurde und eine von denen sogar eine Nachricht für ihn hinterlassen hat. Eine Frau, die Peter kennenlernen möchte.

Peter ist aufgeregt wie damals in der Schule, als Angelika ihm den ersten „Willst Du mit mir gehen“-Zettel in der Pause in die verschwitzte Hand gedrückt hat. Er klickt auf den Link in der Benachrichtigung und schaut sich das Profil von „AZ67U8“ an.

Das Foto wird verschwommen dargestellt und ausser den allgemeinen Angaben kann Peter nichts lesen, da immer dann, wenn er auf die Links klickt, hinter denen sich die weiteren Angaben verbergen, diese Kasse kommt.

Auch die Nachricht von „AZ67U8“ kann er nicht öffnen, da er auch hierzu erst Vollmitglied werden muss.

Die Neugierde siegt, Peter füllt das Formular aus und gibt der Partnervermittlung -schweren Herzens- eine Einzugserlaubnis von seinem Bankkonto. Damit das System der Partnervermittlung die Buchung überhaupt annimmt, muss Peter nochmals mit einem Häkchen die „AGB“, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Partnervermittlung, akzeptieren. Diese AGB sind mit einem Link unterlegt der es Peter ermöglicht, die AGB vollständig zu lesen bevor er das Häkchen anklickt.

Peter ist neugierig. Peter klickt das Häkchen an und liest das Kleingedruckte nicht – Wird schon alles seine Richtigkeit haben…

Kurze Zeit später sieht Peter, das „AZ67U8“ ihm eine standarisierte Mitteilung -quasi im Schrotschussverfahren- zukommen liess. Kein persönliches Anschreiben, nichts was darauf schliessen lässt, das „AZ67U8“ Peters Profil wirklich gelesen hat. Aber immerhin: Peter verbindet mit „AZ67U8“ eine Übereinstimmung von sagenhaften 96%. Das muss doch was sein!?

Peter erinntert sich an das, was er im Internet über die richtige Kontaktaufnahme in Singlebörsen gelesen hat und schreibt „AZ67U8“ eine nette Mail.

Und damit beginnt das Warten. Die Tage verrinnen und die Mail von Peter bleibt unbeantwortet.

Nach gut einer Woche hat Peter die Faxen dicke und schreibt dem Support der Partnervermittlung einen Beschwerdebrief in dem er -seiner Meinung nach zu Recht- unter Berufung auf das Widerrufsrecht nach §312 BGB seine Mitgliedschaft kündigt und auf Erstattung des mittlerweile abgebuchten Beitrages pocht.

Demnach würde Peter eine 14-tägige Widerrufsfrist zustehen.

Einen Tag später erhält Peter eine Antwort des Partnervermittlers. Demnach hätte Peter die Dienstleistung, für die er bezahlt hat, bereits in Anspruch genommen und daher würde das Widerrufsrecht automatisch nach §312, Abs. 2 BGB erlöschen, so wie er es mit dem Häkchen bei den AGB ja auch akzeptiert hätte.

Peter ist nun ärgerlich. Kann er aus diesem Vertrag wieder aussteigen oder nicht?

Damit dieser Beitag hier nicht zu einer (verbotenen) Rechtsberatung wird, möchte ich Ihnen zu Fortsetzung den folgenden Beitrag auf der Seite „Frag-einen-Anwalt.de“ empfehlen, der genau diesen Fall beschreibt.

Ganz problematisch ist unserer Meinung nach übrigens die Methode, das abgebuchte Geld per Rücklastschrift zurück zu holen. Das wird unweigerlich die Mahn- und Rechtsabteilung der Partnervermittlung auf den Plan rufen und im Endeffekt nur massiv Ärger und Kosten verursachen.

Unser Tipp: Versuchen Sie in einem solchen Fall eine Einigung mit der von Ihnen beauftragen Partnervermittlung zu erzielen und wenden Sie sich im Streitfall an einen Anwalt Ihres Vertrauens.
Dieser wird Sie beraten und die Erfolgschancen in Ihrem persönlichen Fall ausloten. Ein blindes drauf-los-streiten oder Rückbuchen hilft in aller Regel nicht und verursacht nur Kopfweh.

Plus: Informieren Sie sich vor der Inanspruchnahme einer Partnervermittlung über das Unternehmen. Wie das geht, beschrieben wir vor einigen Tagen im Artikel „Eine Partnervermittlung finden“ den wir gerne zuer weiteren Lektüre empfehlen.

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