Über das Matching in Partnerbörsen.

Matching - Nützlich oder nicht?Partnerbörsen, wie PARSHIP oder Elitepartner, versprechen den partnersuchenden Singles zwei wichtige Vorteile gegenüber den konkurrierenden Singlebörsen wie z.B. neu.de oder Friendscout24.de:

Zunächst erheben Partnerbörsen den Anspruch, potentielle Partner zu finden, die besonders gut zum suchenden Single passen. Darüber hinaus vermitteln viele Partnerbörsen aber auch den Anschein, dass die aus den Partnervorschlägen zustande gekommenen Beziehungen im Vergleich zu „konventionell“ geschlossenen Partnerschaften überdurchschnittlich lange halten können und vergleichsweise oft geeignet sind, in eine glückliche gemeinsame Zukunft zu führen.

Eine recht aktuelle Studie aus den U.S.A. hat sich nun unter anderem auch dieser Thematik angenommen. Ich habe mir diesen „uncorrected proof“ des Artikels „Online Dating: A Critical Analysis From the Perspective of Psychological Science“ von Eli J. Finkel, Paul W. Eastwick, Benjamin R. Karney, Harry T. Reis und Susan Sprecher in mehreren ruhigen Stunden mal vorgenommen und versuche diesen hier in Bezug auf das Matching möglichst unvoreingenommen aufzugreifen und zu kommentieren. Kritik und Anregungen dazu sind natürlich, wie immer, willkommen.

Um was geht es eigentlich?

Um Online Dating.
Hauptsächlich – und eher nebenbei auch um Matching, die dahinter stehenden Methoden und dem Endlich-bis-ans-Lebensende-verliebt Erfolg, der angeblich mit diesen ausgefeilten Psycho-Verhör-Methoden zu erreichen ist.


Wobei genau das ja gar nicht so einfach zu beurteilen ist, wie die Autoren der Studie selbst erwähnen. Denn das grösste Problem bei der objektiven Beurteilung eines Matching-Algorithmus ist die Verfügbarkeit des selben zur Beurteilung.
Alle mir bekannten Partnerbörsen betrachten diese Grundlage der Liebes-Berechnung als Firmengeheimnis und – nicht zu unrecht – als Herzstück des Unternehmens. So stellen die Verfasser der Studie auch fest:

Dating sites often assert that their algorithms are proprietary and cannot be revealed, presumably because the sites
would lose an advantage over competitors. (…)

Da sich die Partnerbörsen aber der Öffentlichkeit gegenüber vielfach zu Ihren Matching-Verfahren geäussert haben, sind den Verfassern zumindest die grundlegenden Verfahren bekannt, im Falle von eHarmony konnte auf eine Patentschrift zurückgegriffen werden. Aufgrund dieser Datenlage wurde dann der Teilaspekt des Matchings und dessen Einfluss auf den Erfolg bei der Suche nach langfristigen und liebevollen Beziehungen mit Hilfe von Partnerbörsen analysiert.

Problematisch dabei ist nur, dass es bislang keine Erhebungen zur Dauerhaftigkeit von Beziehungen, die über Partnerbörsen im Internet unter Zuhilfenahme von paarpsychologischen Matching-Algorithmen geschlossen wurden, gibt.

Und schliesslich gibt es da noch die Zweifel an der Antwort-Glaubwürdigkeit der Singles in den Fragebögen selbst. Denn die Beantwortung der über die Fragebögen abgefragten und zum Matching verwendeten Items erfolgt nicht in einem begleiteten, klinischen oder wissenschaftlichen Umfeld sondern meist unter emotionalem Einsamkeitsdruck vom heimischen Computer aus.

Dieses Problem wird von den Verfassern auch umfassend erkannt und bemängelt:

Seite 24, Does the evidence underlying online dating sites’ claims
meet conventional standards of scientific validity?

(…) a crucial question is whether dating sites’ claims are scientifically valid. An affirmative answer to this question depends, at minimum, upon the matching site (a) reporting the research methods and statistical analyses in sufficient detail to allow for independent replication and (b) adhering to consensually accepted standards for interpreting data as free from artifact. To date, dating sites fall short on both of these necessary criteria.

Diese Grundlage macht eine objektive Bewertung des Nutzens von psychologischen Matchingverfahren ziemlich schwierig.

In den Veröffentlichungen der letzten Tage kann man recht viel von angeblich nutzlosen Verfahren zur Partnerbestimmung in Partnerbörsen lesen. Allerdings muss man auch bedenken, dass es journalistisch „Hip“ erscheint, etwas zu kritisieren, das von vielen Anbietern als der heilige Gral der Partnersuche verkauft wird. Und das durchaus erfolgreich: Der Umsatz einiger Unternehmen bewegt sich durchaus im zweistelligen Millionenbereich (Beispiel: Parship).

Ich habe in den letzten Jahren den Markt und die Auftritte der einzelnen Mitspieler am Markt beobachtet und dabei bemerkt, dass mit zunehmender öffentlicher Diskussion über die Wirksamkeit der beworbenen Methoden, die Werbeslogans der Unternehmen Veränderungen durchlaufen haben. So finden Sie auf den aktuellen Partnerbörsen zum Beispiel immer weniger das Wort „Partnervermittlung“ und auch die nach aussen kommunizierten Ansprüche werden zunehmend „realistischer“.

Im Februar 2003 verkündete Parship auf der Homepage noch: „Wir finden den Partner, der wirklich zu Ihnen passt!“. Im Jahr 2006 betitelte sich Parship als „grösste Partneragentur für langfristige Beziehungen“ um im Februar 2010 schliesslich den Anspruch: „PARSHIP.de – Deutschlands führende Partnervermittlung“ zu erheben. (Zum selbst nachlesen: Archive.org)

Heute klingt das irgendwie bescheidener, der aktuelle Claim „Verbindet Persönlichkeiten und Ansprüche“ sowie die Aussage „Finden Sie gezielt den passenden Partner dank wissenschaftlich fundierter Partnervorschläge.“ klingen doch schon irgendwie weniger reißerisch und mehr aus Kundensicht heraus wahrgenommen. Es gilt also nicht mehr: „wir finden für Sie“ sondern „Sie finden mit unserer Hilfe“ – Dieser feine Unterschied macht aber viel aus. Es geht eben nicht mehr darum das Bild zu vermitteln, mit Sicherheit den passenden Lebenspartner auf dem Silberteller zu präsentieren.

Und unter dem Hintergrund möchte ich auch die aktuell verfügbaren Verfahren zum Partner-Matching in den Partnerbörsen betrachten. Diese – mit hohem Aufwand erstellten – Computerprogramme können aus einer Datenbank mit Millionen Einträgen mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit Profile ermitteln, dessen Inhaber mit Ihnen zumindest grundlegende Gemeinsamkeiten haben und zu Ihrem dem Partnervermittler bekannten Persönlichkeitsprofil passen.

Der Rest liegt dann an Ihnen: Ich plädiere immer wieder dazu, den Rahmen „Online-Partnervermittlung“ möglichst schnell zu verlassen und sich im richtigen Leben zu treffen. Denn die berühmte „Chemie“, die zwischen zwei Menschen entsteht, kann kein Computerprogramm voraussagen. Und wenn die nicht stimmt, nutzen auch 150% Übereinstimmung rein gar nichts.

Die von den aktuell marktführenden Partnerbörsen verwendeten Algorithmen zur Bestimmung irgendwelcher Kompatibilitäts-Indexe sind eben auch nicht mehr als ein Hilfsmittel den richtigen Menschen kennenzulernen.
Aber mit keinem anderen Hilfsmittel sehe ich derzeit eine bessere Chance, Menschen kennenzulernen die ich anders garantiert niemals kennengelernt hätte und die dazu noch ein gewisses Potential haben, die Liebe des Lebens zu werden.

Oder anders: Solange niemand etwas besseres als das Rad erfindet, werden wir wohl weiter mit unseren Autos in der Gegend herumrollen müssen.

Und anders als die meisten anderen Kommentatoren (Stellvertetend hier mal G. Roese auf Liebepur) der Eingangs erwähnten Studien möchte ich mit einem Zitat schliessen, das meine Sicht der Dinge am besten wiederspiegelt:

Assessing these characteristics can potentially act as a screening device, and this is a service that online dating sites are likely to perform far more efficiently and effectively than any individual can.
Matching Conclusion, Seite 47

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Illustration: © carlosgardel – Fotolia.com

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