Kontaktanzeigen trotz Partnerschaft?

Die Kontaktanzeige sollte am Beginn einer Partnerschaft stehen und nicht an deren Ende. (Quelle: Nicholas R Horne by flickr.com)

Ich gebe es ja zu, ich hab das auch schon gemacht. Aber ich war jung und einsam, trotz Partnerschaft. Okay, das ist nur die halbe Wahrheit. Eigentlich war ich ziemlich verliebt und ich wollte nicht, dass diese Verbindung auseinandergeht, das muss ich zugeben, trotzdem war das Ende  vorhersehbar und da habe ich mich eben schon ein mal umgeschaut. Im Nachhinein klingt das ziemlich ehrenrührig, so würde ich es auf keinen Fall wieder machen.

Damals inserierte man noch in Zeitungen. Ich suchte Austausch mit jemandem, der auf der Suche war, ohne mich selbst gleich binden zu wollen. Ich habe mich über diese Courage später sehr gewundert und ich hatte Glück. Zunächst entwickelte sich eine ganz normale Brieffreundschaft, denn fremdgehen wollte ich auf keinen Fall. Als ich wieder frei war, entwickelte sich dann auch noch mehr.

Ich habe damals selbst die Anzeige geschaltet, anstatt auf eine andere zu reagieren. Ich wollte nicht gleich ganz viel von mir preisgeben. Es ist einfacher, wenn man den Auftakt übernimmt und dann den anderen schreiben lässt. So halte ich es heute auch noch, das ist meine persönliche Flirtstrategie.

Eine Kontaktanzeige aus der Beziehung heraus zu schalten, ist natürlich nicht sehr beziehungsförderlich. Den Impuls sich in einer Beziehungskrise einfach mal abzulenken, den Rechner einzuschalten und sich mit Personen zu unterhalten, die nicht so anstrengend sind, kenne ich gut. Heute bevorzuge ich den Weg der klaren Kommunikation. Das ist zwar erstmal hart, spart aber eine Menge Nerven. Entweder ich will eine Partnerschaft, dann unterlasse ich jeden Unsinn soweit möglich. Oder ich will nicht mehr, aber dann mache ich das auch klar.

Den eigenen Marktwert zu erkennen, ist auch mal gut für das Selbstbewusstsein, deshalb würde ich solche Aktionen nicht grundsätzlich verurteilen. Jeder flirtet mal fremd, jeder checkt mal den Markt, ohne dass die Beziehung dadurch gleich flöten geht. Ganz im Gegenteil: In fremde Töpfe kucken, macht das „Essen zu Hause“ auch wieder attraktiv. Nur kucken, nicht anfassen! 🙂

Eine Beziehung ist kostbar und leicht zu zerstören. Wer es ernst meint in einer Beziehung, sollte das eigene Ego auch mal  zurückstellen können und nicht vor Frust gleich was Neues suchen. Aber das ist ein langer Lernprozess. Eine Beziehung zu führen, ist eben nicht immer nur Honeymoon und manchmal fällt es echt schwer, sich nicht aus der Verantwortung zu stehlen.

Der Anstand gebietet es, in der Beziehung gewisse Grenzen nicht zu überschreiten. Klar ist man nicht immer glücklich, natürlich passiert das Ende einer Beziehung nicht von heute auf morgen, aber man bekommt den schleichenden Prozess ja mit und ertappt sich dabei, wie man nach Alternativen Ausschau hält. Spätestens dann ist der Zeitpunkt gekommen, mal in sich zu gehen und zu überprüfen, ob man dem Partner noch den nötigen Respekt entgegenbringt.

Wer anfängt zu schwindeln, zu lügen, sich Ausreden auszudenken und den Partner zu hintergehen, sollte besser den Mut aufbringen, gemeinsam mit ihm da rauszufinden oder einen Schnitt zu machen. Das macht zwar in diesem Augenblick alles viel anstrengender und komplizierter, es ist aber langfristig der bessere Schritt.

Aus der Beziehung heraus eine Kontaktanzeige zu schalten, geschieht in der Regel mit einer eindeutigen Absicht. Stellen Sie sich vor, wie Ihr Partner reagiert, wenn er es erfährt und seien Sie so taktvoll, ihn vor einem solchen Schock zu bewahren.

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