Kein Sex vor der Ehe – ein Zukunftsmodell?

Könnte Lukas und Linda auch warten? (Quelle: dev null by flickr.com)

„Ich hebe mich auf, bis der Richtige kommt.“ Von solchen Menschen hat man vielleicht schon mal gelesen, doch in Zeiten von „Sex sells“ klingt dieser Gedanke geradezu verrückt. Vielleicht ist er ja dann eine totale Niete?! Man muss das doch vorher mal ausprobieren! Muss man?

Früher war es mal die Regel – vor der Ehe kein Sex. Und das hatte einen einfachen Grund, der noch gar nicht soooo lange vom Tisch ist. Sex macht ja bekanntlich in vielen Fällen schwanger. Und eine Schwangerschaft verändert das ganze Leben radikal. Also konnte man (vor allem natürlich frau) sich vor der Pille Sex einfach nicht leisten.

Dazu kamen die vergleichsweise strikten Moralvorstellungen, in denen das Animalische in uns allen vehement bekämpft wurde. Man heiratete, wen die Eltern aussuchten und man zog sich beim Sex nicht aus. Schwer zu verstehen, dass bei so wenige Spaß überhaupt Kinder auf die Welt kamen.

Sex vor der Ehe durfte zumindest auf keinen Fall öffentlich werden. Eine Frau, die schwanger wurde, galt nichts mehr und war mit einem fremden Kind praktisch unverheiratbar.

Für Musliminnen ist das Warten bis zur Ehe auch heute noch ganz normal. Die Frau bleibt Jungfrau, bzw. hat es zu bleiben, bis sie verheiratet ist. Die jungen Frauen beschützen ihre Jungfräulichkeit sogar und fürchten beispielsweise, dass sie beim Sport o.ä. verloren gehen könnte.

Wir hier leben aber sehr offen. Es gibt wage Grenzen für die Ausübung von Sexualität, die der Gesetzgeber vorschreibt. So ist Sex zwischen Erwachsenen und Minderjährigen verboten. Davon abgesehen sind wir da ganz frei, Pille und Kondome machen es möglich. Maßhalten ist nicht mehr angesagt, stattdessen soll man möglichst viele Erfahrungen sammeln.

Wer sich heute aufsparen will, wird mit großen Augen angeschaut und muss sich rechtfertigen. Warum eigentlich? Was ist dagegen einzuwenden. Sexualpartner nicht als Trophäen zu sehen, nicht zu sammeln und zu zählen? Was ist dagegen einzuwenden, es etwas langsamer angehen zu lassen und auf den Richtigen zu warten? Sex ist eine sehr intime Sache, nicht jeder möchte das mit allen möglichen teilen, sondern sich nur einmal verschenken.

Woher weiß man allerdings, wer der Richtige ist? Man denkt doch in jeder Verliebtheit „Der ist es!“ – zumal das Heiraten aus der Mode kommt. Heißt das jetzt, man hat nie Sex, weil man vielleicht nie heiratet? Und was ist mit den Geschiedenen? Dürfen die auch keinen Sex haben, bis sie wieder verheiratet sind? Die Antworten muss wohl jeder für sich selbst finden.

Auch die praktische Umsetzung ist schwierig, denn wo beginnt Sex eigentlich? Geht es nur um die Schwangerschaftsverhütung ist natürlich klar, dass es einfach nur den Akt nicht geben darf. Aber sonst, sonst könnte man ja eigentlich trotzdem viel Spaß haben … Sex beginnt aber für viele schon mit einem intensiven Kuss. Wer moralisch enthaltsam leben will, dem ist praktisch auch der verwehrt oder besser: der verzichtet auch auf diese Form von Sexualität. Klingt nach einer echten Prüfung.

Natürlich sind mit der Enthaltsamkeit auch Vorteile verbunden, nicht zuletzt ist die gemeinsame Enthaltsamkeit bis zur Ehe eine Art Treuetest. Wer das Verlangen gemeinsam besiegt, hat unter Umständen die bessere Basis für eine langfristige Bindung. Heutzutage schlägt uns ja oft der Spaßfaktor ein Schnippchen. Eine Beziehung besteht jedoch nicht immer aus Spaß. Wer schon einige Entbehrungen durchhat, wird das Gewonnene nicht so schnell wieder hergeben, wie jemand der alles sofort bekommen hat. Enthaltsamkeit vor der Ehe ist also nicht nur die reine Qual, sondern hat durchaus auch positive Aspekte. Um das durchzustehen, muss man moralisch allerdings sehr gefestigt sein.

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