Junggesellenbude ohne Schockwirkung

(Photo by Maja Dumat - flickr.com)

Grünpflanzen in Singlewohnungen plagen häufig Existenzängste. (Photo by Maja Dumat – flickr.com)

Junggesellenwohnungen haben einen ziemlich üblen Ruf. Da steht die Luft wie der Abwasch heißt es, da überlebt keine Pflanze länger als zwei Wochen (höchstens im Kühlschrank) und man teilt sich den Platz mit Wollmäusen und Staubflusen.

In einem Junggesellenhaushalt gibt es angeblich nie etwas zu Essen, aber immer Bier. Und obwohl die Wäsche nie gewechselt wird, hüpfen die Mädels ein und aus, als wäre es das Paradies. Soviel zu den Vorurteilen.

Vielleicht treffen einige der genannten Beispiele tatsächlich zu, alle zusammen sind aber doch eher selten zu finden. Fakt ist allerdings, dass auch einzelne dieser Merkmale ziemlich abschreckend sein können und die Geschichte mit dem vielen Mädels ad absurdum führen. Will man ein Mädel für sich gewinnen, sollte man dringend gegensteuern.

Wie tut man das am besten? Indem man zwei Wochen in den Urlaub fährt und dann mit ganz unverstelltem Blick die eigene Bude betritt. Nun sieht man nämlich, was sich im Alltag gut tarnt: die kaputten Fliesen, den dreckigen Abfluss, den überquellenden Wäschekorb, die Flusen und die toten Fliegen in der Lampe.

So! Dann aber nicht versumpfen, verstecken oder verabreden, sondern zur Tat schreiten und putzen, reparieren, aufräumen. Und sich vor allem Dingen zu merken, wie die Bude auszusehen hat. Schließlich will man ja auch mal jemanden abschleppen und das meistens ziemlich spontan. Wenn die Dame über Nacht bleibt, wird und darf sie an nächsten Morgen große Augen machen, wenn die Bude stimmt. Aus einer versifften Behausung wird sie wohl eher flüchten.

Auch wenn ich hier von der klassischen Junggesellenwohnung schreibe, die Damen sollten sich nicht weniger angesprochen fühlen. Wir sind nämlich keineswegs von Hause aus ordentlicher oder reinlicher. Wer schon mal eine öffentliche Damentoilette besucht hat, kann das bestätigen.

Natürlich spielt nicht nur der Aufräumstatus eine Rolle, sondern die ganze Wohnungseinrichtung. Man kann aus der Art der Möbel und auch der Art wie sie aufgestellt werden doch vorsichtige Schlüsse auf dem Charakter des Besitzers ziehen.

Wer seine Wohnung voller antiker Stücke stellt, weiß diese, davon darf man wohl ausgehen, auch besonders zu schätzen. Wessen Wohnung hingegen einer Designerspielwiese gleicht, geht wohl eher als modern und trendbewusst durch.

Vorsicht bei Wohnungen die chaotisch und unfertig erscheinen. Im ersten Augenblick wirkt das vielleicht kreativ und anziehend, doch auf die Dauer ist man dann selbst als Aufräum- und Ordnungskommando gefragt. Jeder, der eine Beziehung eingehen will, sollte in der Lage sein, seinen Kram wenigstens halbwegs in Ordnung zu halten.

Unbedingt zu vermeiden,sind in jeder Singlewohnung und Junggesellenbude Erinnerungsstücke an Verflossene. Diese Regel gilt grundsätzlich und darf nur verletzt werden, wenn einem Stück wirklich nicht anzusehen ist, wo es herstammt. Bilder, Kleidungsstücke und offensichtliche Geschenke sind absolut tabu und vertreiben jede Neueroberung.

Auch für das eigene Gemüt ist es wichtig, abzuschließen, also raus mit dem alten Kram. Das Singleleben ist ein neues Leben, welches man auch dementsprechend neu gestalten sollte.

Was meinen Sie? Kann man anhand der Wohnung auf die „Ehe- oder Beziehungstauglichkeit“ eines Menschen schliessen?

One thought on “Junggesellenbude ohne Schockwirkung

  1. Lothar

    Es mag ja auch andere geben. Aber in dieser Beschreibung erkenne ich mich durchaus auch ein bisschen. Es ist nun mal so: Männer taugen nicht für Ordnung. Und wenn ihnen niemand auf die Finger schaut, dann lassen sie die Zügel schleifen. Aber wehe, wenn Damenbesuch ansteht. Dann verwandelt sich der Junggeselle in einen Putztiger.

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