Hansi Hirsch und das Pferdeschwanz-Prinzip

Ein toller Hirsch! (Bildquelle: flibfl0b by flickr.com)

Kennt Ihr Hansi Hirsch? Das ist ein beliebter Nickname im Netz! Zugegebenermaßen einer von der lächerlichen Sorte, aber irgendwie lächerlich sind doch alle Nicknames. Schließlich haben wir sie uns selbst ausgesucht und man kann deshalb immer ein bisschen darauf schließen, was und wer sein Träger gern wär.

Wer ist dieser Hansi Hirsch genau?

Er ist ein Draufgänger und  ein Dating-Phänomen. Als solches ist er ein Vorbild für uns, denn Hansi Hirsch hat es in anderthalb Jahren auf einer Dating-Plattform auf sage und schreibe 2000 Chat-Kontakte gebracht. 100 Frauen hat er sogar wirklich getroffen, das ist mehr als ein Date pro Woche in der ganzen Zeit. Das ist eine Ausbeute von der die meisten von uns nur träumen können.

Wie hat Hansi Hirsch das gemacht?

Einfache Antwort: Er war einfach nur sehr frech und er beweist damit, dass man nicht unbedingt lügen muss, um im Netz gut anzukommen. Vielmehr sollte man die Sache mit den Dates nicht allzu krampfig ernst nehmen. Er hat ein freches und damit auffälliges Profil gestrickt und unterscheidet sich damit von 96 Prozent der Konkurrenten, die meist so ernsthaft auf der Suche sind, dass ihnen der Humor abhandengekommen zu sein scheint.

Hinter dem Nickname steckte zwar ein Journalist, der seine Erfahrungen später für Verlage verarbeitet hat, doch er war ganz ehrlich auf der Suche. Seine wirkungsvollste Waffe nennt er ganz unaufdringlich „Das Pferdeschwanz-Prinzip“. Und sie funktioniert auch fast so, wie man sie sich vorstellt. Aber: Hansi Hirsch ist ironisch. Er schreibt nicht von seinem Pferdeschwanz, sonder er fordert die Mädels heraus. Provokativ heißt es in seinem Profil: „Wieso schreibt hier keine Frau: ‚Suche Mann mit Pferdeschwanz – Frisur egal!‘?“ Das ist schon alles, aber es reicht!

Patentrezept für Dates: Humor + Ironie + Unverfrorenheit

Er kriegt die Mädels mit seinem Selbstbewusstsein, ohne sich übertrieben marktschreierisch zur Schau zu stellen, er schafft es mit Ironie und Humor. Er muss dazu nicht einmal offensiv Werbung betreiben und die Damen umgarnen. Getreu dem Motto „Willst Du gelten, mach Dich selten“ lässt er sich anschreiben – und es funktioniert.

Die Geschichte von Hansi Hirsch ist im Fokus (38/2012) nachzulesen und als Journalist (Milosz Matuschek) hat er das Experiment auch in Büchern verarbeitet. Die Lektüre ist durchaus empfehlenswert, denn man erkennt, dass uns allen ein bisschen Leichtigkeit nicht schadet. Grad uns Deutschen, denen das Flirten jetzt nicht unbedingt in die Wiege gelegt wurde, genauso wenig wie das Tanzen (zumindest wenn man uns mit anderen Nationen vergleicht).

Dass wir gut arbeiten können und verlässlich sind, sind Eigenschaften die in einer späteren Beziehung sicherlich eine Rolle spielen, vielleicht muss man sie jedoch am Anfang nicht gleich in den Mittelpunkt stellen. Es flirtet sich viel leichter, wenn man sein Liebesleben nicht bierernst nimmt, sondern spielerisch sieht.

Kein Patentrezept für wahre Liebe

Irgendwann und trotz aller Erfolge, gibt Matuschek allerdings zu, hing ihm diese Hansi-Hirsch-Nummer zum Halse raus. Er ist zwar erfolgreich mit seinen vielen Dates, doch es ist schwer von der unverbindlich-flapsigen Nummer wieder runterzukommen. Die wahre Liebe hat er so nicht gefunden. Aber immerhin kann auf diese Art jeder sein Selbstbewusstsein ein bisschen aufbügeln, auf dass es im richtigen Moment auf „ernsthaft“ umschalten kann.

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