Genepartner.com – Schöne neue Welt!?

Zunächst dachte ich an einen Aprilscherz. Bis mir auffiel, das heute ja der 15. Juni ist und es sich also gar nicht um eine April-Ente handeln kann.

Ausserdem gibt es dieses „fortschrittliche“ Angebot schon eine ganze Zeit, nur ist mir das – vielleicht aus ideologischen – Gründen bislang nicht sonderlich aufgefallen.

Worum geht es?
Sie suchen einen Partner und anstelle sich bei der Suche nach Mr. oder Mrs. Right durch hundert Fragebogen-Seiten einer psychologischen Partnervermittlung zu quälen oder durch diverse Bars zu saufen, schicken Sie ein wenig genetisches Material an GenePartner und erhalten einen Matching-Code. Diesen Code kann man dann z.B. auf Facebook mittels der  GenePartner App dazu nutzen, auf Partnersuche zu gehen.

Nun, zur Tauglichkeit von Facebook zur Partnersuche kann man zweigeteilter Meinung sein. Aber GenePartner vertreibt das Matching-System als zentralisierte Datenbank für ein ganzes Netzwerk von Partnervermittlern.
So wird einerseits die Marktdurchdringung und auch der Pool der teilnehmenden Singles grösser.

Der Ansatz von GenePartner ist komplementär.
Klassische Partnervermittler setzen vor allem auf die soziale Übereinstimmung beim Matching zweier Single-Profile und bestimmen daraus die Wahrscheinlichkeit einer erfüllten Partnerschaft. Dazu kommt aber noch, laut GenePartner, die genetische Komponente. Die sprichwörtliche „Chemie“, die zwischen zwei Menschen stimmen muss, damit es „passt“. Diese Chemie ist hochgradig von der unterschiedlichen Ausprägung des Immunsystems zweier Menschen abhängig. In diesem Bereich kompatible Menschen haben besseren Sex, eine höhere Fruchtbarkeitsrate und eine höhere Wahrscheinlichkeit auf eine glückliche Zukunft. Laut GenePartner.

Ich frage mich nur, in welche Richtung das alles noch gehen wird.
Haben wir demnächst eine Verabredung und bringen dazu unser „Bewerbungsdossier“ mit, in dem alle Faktoren aufgelistet sind, die uns zum perfekten Bewerber für die Stelle im Herzen machen?
Oder gibt es demnächst eine „App“ auf dem Handy, die, mit allen unseren Matching-Daten gefüttert, einen permanenten Bluetooth-Scan der näheren Umgebung nach dem perfekten Partner durchführt!?

Wo bleibt der Spass am kennenlernen?
Meiner Meinung nach, kann man es mit der Ernsthaftigkeit bei der Partnersuche durchaus auch übertreiben. Und ob es jedermanns (-fraus) Sache ist, das eigene genetische Material in fremde Hände zu geben, muss jeder selbst entscheiden.
Nicht zu vergessen: Je mehr Informationen und Anstrengung ich in einen „Match“ investiere, desto höher ist die Erwartungshaltung beim Treffen. Und das ist dann der richtig heikle Punkt: Eine hohe Erwartungshaltung birgt eine enorme Gefahr, dass der Andere gar keine Chance hat, diese hoch-individiduell festgelegte und daher egoistisch geprägte Hürde zu überwinden. Anstatt eine Hilfe zur Beendigung meiner Einsamkeit darzustellen, kann ein solches System durch zu hohe Erwartungshaltung also auch indirekt dazu beitragen das ich länger allein bleibe?

Vielen Dank GenePartner.
Dafür, dass ich mal wieder etwas über den Tellerrand der Online-Partnervermittler, hinaus ins „richtige Leben“, geschaut habe.
Denn so schön und gut unsere digitale Welt ist und sicher noch wird: Ich geh‘ mir jetzt‘ erstmal in irgend einer Bar einen Mojito trinken. Mal sehen, ob ich jemanden treffe, der das auch gern hat…

Einen typisch amerikanischen Filmbericht vom Sender ABC sehen Sie hier:

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