Auch Frühlingsgefühle?

Frühling ... da ist keiner gern allein. (Quelle: yummywatermelon by flickr.com)

Singlesein und Frühling, das passt genauso gut zusammen wie Wasser und Feuer. Man traut sich ja gar nicht raus vor lauter guter Laune!

Der Winter ist irgendwie viel besser. Da kann man ohne schlechtes Gewissen zu Hause sitzen. Nichts treibt einen vor die Tür, da ist es sowieso schweinekalt, selbst zu kalt zum Joggen oder für sonstige sportliche Aktivitäten. Nur der Hund, der zieht einen raus. Aber dem lässt man auch lieber den Winterspeck und dreht nur eine kleine Runde.

Zu Hause hat man es richtig gemütlich – ein Glas Wein, ein Buch – nee, so sieht es doch nicht wirklich aus. Mal ehrlich, die meisten hocken doch die ganze Zeit vor dem Rechner, stimmts? Auf jeden Fall herrscht Winterruhe. Jeder zieht sich in seinen Bau zurück und schläft. Und schlafen muss man ja bekanntlich alleine, was ein Glück!

Das ist nun vorbei. An allen Ecken ploppen Narzissen, Krokusse und Tulpen aus dem Boden. Die Schneeglöckchen sind schon längst durch. Zu allem Übel scheint auch noch die Sonne, fast täglich. Man muss also raus. Und draußen sitzen sie – die Pärchen. In Massen sitzen sie in Cafés, vor Eisbuden, an Haltestellen. Selbst mit dicker Sonnenbrille und dem totalen Tunnelblick lassen sie sich einfach nicht übersehen. Ätzend! Wenn sie dann auch noch beginnen zu turteln und zu knutschen, fällt man gleich rückwärts wieder in die Haustür.

Tja, für viele ist der Frühling genussvoll und aktivierend, anderen wird so klar wie nie zuvor, wie einsam sie sind und was sie so vermissen. Das lähmt. Manche Menschen lähmt das so sehr, dass sie regelrecht in Depressionen verfallen. Kein Witz, dieses ganze Glück da draußen, kann einen sowieso schon unglücklichen Menschen wirklich fertigmachen.

Natürlich sind die Hormone schuld. Die funktionieren eigentlich ganz prima und erzeugen ein wahres Frühlingserwachen. Nur, wenn da niemand ist, mit dem man die neue Vitalität und Frische teilen kann, ist das halt ziemlich blöd.

Für die Partnersuche, aber auch für ein glückliches Leben ohne Partner, sind ein paar soziale Kontakte unabdingbar. Grad im Frühling fällt das auf. Mit einer Gruppe Freunde im Biergarten lachen und lärmen, das macht Spaß und man vergisst für eine Weile diese elendige Einsamkeit. Positiver Nebeneffekt des Unter-Leute-Gehens – man lernt neue Leute kennen. Das heißt natürlich nicht zwangsläufig, dass der Traumpartner demnächst vor der Türe steht, aber soziale Kontakte sind einfach gut fürs Ego. (Und Ego-Pflege ist gut für zukünftige Beziehungen.)

Dieses ganze Pärchengetue kann einem tierisch auf den Wecker gehen und man kann es ihnen auch gern neiden, aber würden wir es nicht genauso machen? Im Frühling draußen rumspazieren? Klar würden wir das! In diesem Frühling wird das zwar nichts mehr, naja, dann halt im nächsten!

Singlesein ist auf jeden Fall kein Grund, sein Ego grundsätzlich infrage zu stellen. Es gibt sogar Menschen, die wählen diesen Weg für ihr Leben, und zwar freiwillig. Die binden sich nicht gern und können zeitlich begrenzte Liebschaften gut genießen. Also: Nicht zu viel vergleichen. Bei den Pärchen ist schließlich auch nicht alles Banane, denn wie viele von denen werden im Herbst wohl noch zusammen sein?

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