Faszination Brieffreundschaft

Romantische Liebe in modernen Zeiten. Hat der Brief da noch eine Chance? (Quelle: Daniel Kruczynski by flickr.com)

Brieffreundschaften verbinden. (Quelle: Daniel Kruczynski by flickr.com)

Brieffreundschaften sind ein bisschen aus der Mode gekommen, doch es gibt sie noch. In diesen schnellebigen Zeiten hat dieses altmodische Kommunizieren einen besonderen Reiz. Könnte sein, dass es, wie Schneidern, Gärtnern und Laubsägen, bald wieder „in“ ist.

Faszination Brieffreundschaft

Egal, ob man eine solche Freundschaft tatsächlich per Briefpost oder online führt, sie funktioniert viel langsamer, als wir das Kommunizieren normalerweise gewohnt sind. Auf eine Antwort Tage oder Wochen warten zu müssen, ist plötzlich ganz normal.

Eine Brieffreundschaft erreicht eine besondere Intensität, gerade weil man sich Zeit lässt. Nach den ersten eher oberflächlichen Kontakten bildet sich mit der Zeit eine besondere Beziehung heraus. Man bespricht schriftlich auch intimere Dinge, Probleme und Freuden.

Die Besonderheit an einer Brieffreundschaft ist, dass man den Zeitpunkt der Antwort nicht kennt. Wenn man heutzutage per Mail oder auf Facebook eine Frage stellt, rechnet man mit einer Antwort innerhalb von 24 Stunden. Bei einem Brieffreund vertraut man darauf, irgendwann eine Antwort zu erhalten, wenn es eben passt und die „richtige“ Antwort gefunden ist. Dass sowas oftmals dauert, dafür ist heute das Gefühl verloren gegangen.

Wie findet man Brieffreunde

Früher hat man Brieffreunde über die Zeitung gefunden oder im Urlaub kennengelernt. Briefe schreiben war nichts Ungewöhnliches. Um in Kontakt zu bleiben, musst man das tun. Dass sich daraus auch über die Entfernung Freundschaften entwickelten, geschah von ganz allein.

Heute wird der Kontakt über Ländergrenzen und Kontinente ja eher über Facebook gehalten. Trotzdem suchen manche Menschen ganz konkret nach Brieffreunden und finden diese im Internet beispielsweise beim Goethe-Insitut oder der Deutschen Post.

Ein besonderes Beispiel einer Brieffreundschaft ist die Geschichte von Jutta und André, über die, und zwei weitere Paare, der RBB eine sehr schöne Reportage gedreht hat. Eigenlich geht es eher um Liebende, die nach langer Zeit doch noch zueinander fanden, bei Jutta aus der DDR und André aus Holland begann die Geschichte eben mit einer Briefen.

Wenn sich Gefühle entwickeln

Das besondere an einer Brieffreundschaft ist die besondere Intimität, die sich mit der Zeit entwickelt. Man erzählt dem Briefpartner, der sich irgendwo weit entfernt befindet, Dinge aus seinem Alltag, die man sonst vielleicht niemandem erzählt. Geheime Wünsche und Bedürfnisse beispielsweise. So wird der Briefpartner zu einer Art Mitwisser und wenn das Verhältnis auf Gegenseitigkeit beruht, entsteht eine sehr intime Verbindung, manchmal auch eine Art Verliebtheit.

Es ist natürlich nicht leicht zu erkennen, ob diese Verliebtheit eine Basis hat, gerade auf Entfernung. Viele Briefpartner lassen diesen besonderen Moment deshalb verstreichen, einfach weil es zeitlich, räumlich oder finanziell nicht passt, behalten die Liebelei aber in sehr positiver Erinnerung.

Nur selten gehen Briefpartner den Weg, es wirklich miteinander zu versuchen. Dann stehen sie vor genau den Problemen, wie jedes andere Paar auch. Mit einem Unterschied: Sie kennen sich lange und sie kennen sich gut, sie haben sich beim Kennenlernen Zeit gelassen. Diese Gelassenheit ist einer Beziehung sehr zuträglich und eine gute Voraussetzung, um es lange miteinander auszuhalten.

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