Eine „offene Beziehung“. Das Ende für die Liebe?

Stellt eine sogenannte offene Beziehung eine Bereicherung des Lebens dar oder ist es ein Todesurteil für die Liebe?Er liebt mich.
Angeblich.
Stimmt es?
Ich glaube ja.

Wieso verletzt man den, den man liebt?
Es geht doch „nur“ um Sex. Liebe ist da nicht im Spiel.
Wieso genügt der Sex mit mir nicht mehr?
Die Lösung, dass soll eine „offene Beziehung“ sein.

Und, klar, darf ich auch – wenn ich möchte.

Will ich das überhaupt? Kann man das überhaupt wollen?

Eine offene Beziehung – oft das Todesurteil für die Liebe.

Der Wunsch nach einer „offenen Beziehung“ kommt oftmals in jüngeren Jahren und in einer der ersten Beziehungen.
Man hat sich noch nicht ausgelebt, ist vielleicht neugierig auf andere Erfahrungen vielfach im jungen Erwachsensein immer noch von optischen Reizen leicht beeinflussbar. Andererseits ist da aber auch schon so was wie Gebundenheit und Verbundenheit mit dem Partner, ein Anflug von Liebe in der tosenden Verliebtheit.
Wie soll man damit klarkommen?

Entsteht der Wunsch nach einer Öffnung der sexuellen Beziehung hingegen erst in späteren Jahren, hat sich das Paar vielfach bereits auseinandergelebt und in der täglichen Routine eingerichtet. Eine Routine die auch im heimischen Bett zunächst für gähnende Langeweile sorgt und dann zum einschlafen aller Lust führt.
Unser Haus, unser Urlaub und unser Leben: Das soll nicht gefährdet werden, denn das ist wohlig und bequem. Schnell kommt man da auf die Idee entweder eine Affäre zu suchen, einen Seitensprung zu begehen oder die Beziehung beiderseitig sexuell zu öffnen.

Gemein ist beiden Varianten, dass der Wunsch auf eine solche „Liberalisierung“ der Liebe meist von einem der Partner ausgeht und der Andere erst mal dumm aus der Wäsche schaut. Die Verunsicherung ist dann gross, steht doch das emotionale Grundgerüst der gemeinsamen Liebe und Zukunft plötzlich auf dem Prüfstand – und vor einem Scherbenhaufen.

Egoismus und Liebe verträgt sich nicht.

Liebe und Zuneigung sind in unserer Kultur vielfach von Sicherheits- und Besitzdenken begleitet. Man hat Angst, zu verlieren was man liebt und versucht es zu binden – Eben auch mit Besitzansprüchen. Dabei wird vielfach vergessen, dass Liebe etwas freiwilliges ist. Etwas, das man selbst geben muss um es gemeinsam erleben zu können. Und genau so, wie Eifersucht und Kontrolle die Liebe ersticken, bläst ein Zuviel an selbst gewährter Freiheit die Flamme der Leidenschaft meist aus. Man entfernt sich voneinander und die Tage der Beziehung sind meist gezählt.

Offene Beziehungen klappen – Von Anfang an.

Keine Regel ohne Ausnahme: Sehr liberal eingestellte Menschen schaffen es vielleicht über Ihren Intellekt und Ihre Lebenseinstellung einige Zeit lang, einen solchen Lebensentwurf längere Zeit zu leben. In diesen Fällen etabliert sich ein solch offenes Beziehungsmodell aber in der Regel direkt am Anfang der Beziehung und wird meist auch im Bekannten- und Freundeskreis akzeptiert. Menschen, die in diesen Mustern denken, leben und lieben können haben eine gute Chance mit diesem Lebensmodell glücklich zu werden.

Allen anderen empfehle ich zunächst sich Gedanken über das Motiv zu machen. Ist der Wunsch nach persönlichem Ausleben erotischer Fantasien oder gar das Ausfüllen von sexuellen Defiziten das Ziel der „offenen Beziehung“ würde ich die Sache nochmals überdenken.
Stellen Sie sich doch einfach mal die Frage: „Wie fühle ich mich, wenn ich weiss das meine Partnerin jetzt grade in den Armen eines anderen liegt?“ – Ihre Reaktion auf diese kurze Frage liefert Ihnen die Antwort darauf ob eine offene Beziehung wirklich etwas für Sie ist.

Wenn Ihr Partner eine offene Beziehung will

Wenn ihr Partner mit dem Wunsch einer offenen Beziehung an Sie herantritt, sollten Sie sich fragen ob das für Sie eine echte Option ist. Stellen Sie sich die gleiche Frage wie oben und zusätzlich noch, ob Sie sich überhaupt vorstellen könnten selbst innerhalb Ihrer Beziehung mit anderen Menschen intim zu werden.

Wenn Ihre Antwort eindeutig ein „Nein“ ist, würde ein Einwilligen in den Wunsch Ihres Partner nur eine Qual und eine ständige Erniedrigung für Sie. Lassen Sie in dem Fall Ihrem Partner seinen Egoismus – Allein! Oder arbeiten Sie die anscheinend in Ihrer Beziehung vorhandenen Defizite mit professioneller Hilfe auf. Ob es sich lohnt, entscheiden Sie.

Weiterführende Informationen


Foto: © Klaus-Peter Adler – Fotolia.com

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