Über die Qual der Partner-Wahl.

Die moderne Partnerwahl. Qual oder Chance?Interessant, was sich bei Herrn und Frau Gender auf Freiersfüssen so tut. Da werden Männerbilder hinterfragt, Frauenversteher gefordert, Machos vernascht und frustriert die Männer-Emanzipation gepredigt.

Ist die Wahl eines „Lebens-Partners“ denn wirklich so schwierig? Haben neuerdings die Frauen zu hohe Anforderungen an den „modernen“ Mann? Oder eher die Männer Probleme mit dem „neuen“ Selbstverständnis moderner Frauen?

Kann man sich denn nicht einfach nur verlieben, Kinder kriegen und gemeinsam alt werden!?

Einen sehr interessanten Artikel zum Thema fand ich über Twitter auf dem Blog von R. Kopp-Wichmann:

(…) 80 Prozent der Frauen wollen Karriere und Kinder, zeigt die aktuelle Shell-Jugendstudie – das sehen aber nur 25 Prozent der Männer so.

(…) Deshalb hätten es Frauen enorm schwer, einen adäquaten Mann zu finden, weil die Männer Alleinverdiener sein wollen und ihre Frau als Mutter sehen.

Eine Frauenstimme dazu:

„(…)Sicher wünsche ich mir auch einen sportlichen Mann, der wiederum bitte Manieren aus der “alten Schule” mitbringt, da ich es genieße in gewissen Bereichen “klassisch” als Frau behandelt zu werden. Des weiteren kommt für mich nur ein Mann in Frage, der weltoffen ist und einen interessanten Job hat in dem er sich entwickelt und/oder aber auf jeden Fall Spaß daran hat. Ein Mann, der weiß, was er will und lösungsorientiert denkt.(…)“.

Also mal wieder die Eier legende Wollmilchsau die hier (möglichst noch selbstrelefktiv) von den Frauen gefordert wird?

Besser sieht es bei den Männern aber unter dem Strich auch nicht aus:

Die aktuelle deutsche Shell-Studie belegt, dass mehr als 70 Prozent der Jungen sich ausdrücklich keine emanzipierte Partnerin wünschen, mindestens 80 Prozent der Mädchen aber einen partnerschaftlichen Mann wollen. “Dös geht sich net aus”, wie der Österreicher dazu sagt.

Eine Online-Partnervermittlung hat jüngst 10.000 Singles gefragt, warum sie keinen Partner finden. Die häufigste Antwort war: “Ich bin zu anspruchsvoll.”

Kann es sein, dass sich, insbesondere bei den „erwachsenen“ Frauen und Männern mit Lebenserfahrung, die Erwartungshaltung diametral zum „Marktgeschehen“ entwickelt?
Denn Kompromisse, das ist klar, werden höchstens beim Auto oder der Ferienreise gemacht. Nicht aber bei so etwas wichtigen, wie dem Partner. Der muss passen und zwar 100% und kostenlos. Die Narben, die das Leben zwangsläufig in Form von „Erfahrungen“ hinterliess und die meist über lange Zeit gereiften eigenen Ansprüche machen es dann noch zusätzlich schwer, sich zu verlieben.

Zum Glück für den Single gibt es ja das Internet. Denn lernte man (und auch frau) früher seinen Lebenspartner in aller Regel im näheren sozialen Umfeld kennen, kommt heute den „neuen Medien“ auch in diesem Bereich eine gewaltige Bedeutung zu. In der für den Markt interessanten Zielgruppe der 30-50 Jährigen hat sich angeblich schon jeder Dritte zumindest einmal über das Internet verliebt. Wahnsinn, oder?

Aber die leichte Verfügbarkeit des „Wunschpartners“ im Netz reduziert anscheinend auch die Konfliktfähigkeit. Hat man früher – also so vor fünf bis zehn Jahren – noch eher an Konflikten gearbeitet, reicht heute ein schneller Klick ins Internet und der neue Partner, die neue Partnerin steht schon bereit. So zumindest zu finden auf dem Blog von Herrn Kopp-Wichmann:

Das Internet hat das Partnerangebot noch einmal gewaltig gesteigert. Auf Online-Partnerbörsen werden einem, selbst wenn man den geographischen Radius auf 100 km einstellt, leicht 500 Kontakte angeboten. In Foren und Chat-Räumen kann man zusätzlich fremde Menschen kennenlernen

(…)

Wenn jemand früher mit dem Partner Zoff hatte, ging er vielleicht in die Stammkneipe oder rief die Freundin an, um seinen Frust zu regulieren. Etliche setzen sich heute an den PC und checken neue Kontakte.

Nun, ganz so einfach ist es meiner Meinung nach nicht. Es gibt in den Singlebörsen ja keine „Warenkorb-Funktion“ mit Check-Out und Home-Delivery. Um im Online-Dating erfolgreich zu sein, bedarf es einer guten Strategie und eines gerüttelten Masses an Authentizität. Denn sonst bleiben im Online-Dating ,wenn überhaupt, nur die oberflächlichen Kontakte. Und auf ebendiese scheint sich das oben gezeichnete Bild zu beziehen. Denn „mal eben neue Kontakte checken“ reicht eben auch im Internet nicht.

Kann es sein, dass ein grosser Teil der Schwierigkeiten der modernen Beziehungen leben darin begründet ist, das es das Phänomen der Emanzipation überhaupt (und gottseidank!) gibt? Es ist doch einleuchtend, das in klar hierarchisch geprägten Sozialstrukturen mit eindeutig definierten Abhängkeiten die „Verlustquote“ geringer ist: Der Verlierer (meist die Verliererin) hatte hier noch wirklich was zu verlieren.

Das ist heute zum Glück nicht mehr so. Dieses neue Selbstbewusstsein steht aber bei beiden Geschlechtern noch im Schatten alter Werte. Wie die oben zitierte Frauenstimme beweist: Ich bin modern und unabhängig – aber möchte trotzdem (aber nur wenn ich es will!) beschützt und umsorgt werden.

Da kann man dann – auch als „moderner Mann“ – schon mal leicht verwirrt aus der Wäsche gucken.

Was meinen Sie: warum ist es denn nun so schwierig, sich im Erwachsenenalter neu zu binden?


Fotonachweis:

Christian Schwier
– Fotolia.com

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