Die Liebe ändert alles. Wirklich?

Ändert verliebtsein wirklich alles im Leben?Ja klar: In den ersten drei Monaten ist der Himmel blau und die Stimmung auf Wolke 7.
Aber spätestens so nach 12 Wochen erscheinen erfahrungsgemäss die ersten Wolken am Horizont und dieses Anfangs so schöne, romantische rosarote Licht wird schliesslich irgendwie auch immer nerviger.
Und so ein Abend für sich alleine wär‘ ja auch mal wieder ganz schön…

Dabei ist es doch eigentlich so schön: Endlich die „bessere Hälfte“ gefunden, endlich das Gefühl „komplett“ zu sein.
Und dann ziehen langsam aber sicher die ersten Wolken am rosaroten Himmel auf: Der erste Furz unter der gemeinsamen Bettdecke nervt, der forsche Fahrstil des Partners ist auf einmal irgendwie aggressiv anstatt temperamentvoll und die ewige Unpünktlichkeit kann doch nicht immer einen wichtigen Grund haben!? Und überhaupt: Was ist denn eigentlich wirklich wichtig für mich!?

Heute ist mir alles herrlich; wenns nur bliebe!
Ich sehe heut durchs Augenglas der Liebe!

Johann Wolfgang von Goethe

Verliebte: Voll auf Droge!

Akute Verliebtheit ist eigentlich ein Ausnahmezustand, der dem eines „Drogen-Flashs“ entspricht.
Die Natur greift hier in die Vollen: Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin werden in der körpereigenen Drogenküche unter Hochdruck hergestellt und direkt, ohne lange Umwege, zum Einsatz gebracht. Dieser Cocktail, für den auf der Strasse wahrscheinlich viel Geld gezahlt werden würde, stimuliert das Belohnungszentrum wenn die geliebte Person anwesend ist, lässt uns weniger schlafen und uns euphorisch und aufgeregt auf das nächste Zusammentreffen freuen.

Gleichzeitig senkt der Körper die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin, was zur Folge hat das wir uns fast schon zwanghaft auf das Objekt der Begierde fixieren und alles ausblenden, was diesen „Kick“ stören könnte. Klingt beängstigend, nicht wahr!?

Muss es aber nicht – Denn der Zauber ist schneller vorbei als man denkt.
Manche „entlieben“ sich nach drei Wochen, bei anderen hält die Phase der akuten Verliebtheit ein Jahr – Sicher ist nur, das irgendwann der Alltag kommt, das sexuelle Verlangen weniger wird und andere Werte an Wichtigkeit gewinnen.

Wenn alles gut geht, wird aus der Verliebtheit echte Liebe. Wenn nicht, gibt es Liebeskummer – der im übrigen, vielleicht ein kleiner Trost, nicht viel anderes als ein „kalter Drogenentzug“ ist.

Verliebtsein hat Suchtpotential.

Wer sich oft und schnell verliebt ist vielleicht süchtig nach der Liebe.
Wir alle kennen wahrscheinlich im Bekanntenkreis Personen die sich schnell verlieben und dann meist nach ein paar Wochen wieder im Jammertal der Selbstvorwürfe versinken. Bis zum nächsten Mal, dass meist nicht lange auf sich warten lässt.

Ist das Sucht oder Egoismus? Oder vielleicht gar Beides!?
Denn ein Süchtiger denkt ja im entscheidenden Moment, im Moment der Krise an nichts anderes als den nächsten Kick. Liebessüchtige finden dann, bei fallendem Hormonspiegel schnell heraus, dass es mal wieder „nicht gepasst“ hat – Die geliebte Person die eigenen Ansprüche nicht befriedigen konnte. Und so dreht sich das Liebeskarussel weiter, bis zur nächsten Enttäuschung.

Online-Dating verleiht der Enttäuschung Flügel.

Online-Dating in Singlebörsen macht das Verlieben leicht. Es gibt kaum einen besseren Weg für den noch schnelleren Kick: Man präsentiert sich so, wie man möchte und hat eine schier grenzenlose Auswahl aus dem grossen Warenhaus-Katalog der einsamen Seelen, die ebenfalls auf der mehr oder weniger verzweifelten Suche nach Verliebtheit sind.
Schon während der ersten Kontakte am Bildschirm werden emotionale Wunschgebäude konstruiert, die beim ersten Zusammentreffen bestätigt werden müssen. Klappt das nicht, geht das Spiel von vorn los. Solange bis man sich „verliebt“, allerdings ohne sich aus der Singlebörse abzumelden, denn das nächste Eisen ist vielleicht schon im Feuer…

Nicht ohne Grund boomen derzeit Sexbörsen im Internet, in denen es vordergründig um den schnellen Sex-Kick geht. Wer möchte sich noch ernsthaft mit einer Partnerschaft jenseits der Verliebtheitsgrenze auseinandersetzen, wenn man vermeintlich an jeder Ecke neue Verliebtheit bekommen kann!?

Ein Plädoyer für die Liebe.

Irgendwann einmal reicht auch die wildeste Verliebtheit nicht mehr. Dann sehnt man sich nach der Lebensliebe, mit der man die Zukunft gestalten kann.
Nach der Verliebtheit ist vor der Liebe, die meist auf leisen Sohlen daher geschlichen kommt und sich unmerklich einnistet. Aber nur, wenn man sich auch drauf einlässt und lernt zu akzeptieren, dass der Partner oder die Partnerin nicht ansatzweise so perfekt ist, wie man in der rosaroten Phase fest geglaubt hat.

Wenn man versteht, dass man nicht auf der Welt ist um die Ansprüche Anderer zu befriedigen aber genug Toleranz für die Bedürfnisse und Fehlbarkeiten des Partners aufbringen kann und sich selbst und dem Partner auch Raum für sich selbst einräumen kann, ist viel gewonnen. Dann hat die Liebe eine Chance – auch gegen gelegentliche Fürze unter der Bettdecke, nicht zugeschraubte Zahnpasta-Tuben und ähnlich streitfördernde Dinge…

Die wirkliche Änderung durch Liebe kommt vielfach erst hinterher.

Die alles verändernde Liebe gibt es mitunter wirklich: Wenn alles vorbei ist.
Wenn sich ein Paar nach Jahren der Gemeinsamkeit getrennt hat, werden manchmal eingeschliffene Verhaltensmuster hinterfragt und dann ernsthaft verändert. Plötzlich entdeckt man(n) den Sport, wird modischer oder kulturell interessierter. Kurz: Man ändert grundlegende Muster des eigenen Lebens – Und das dauerhaft.

Aber dazu braucht man erstmal eine ordentliche Portion Verliebtheit, Liebe und Reflektion.

Weitere Infos und Ressourcen zum Thema.

Der kleine Liebes-Trick zum Schluss

Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, bekommen verraten wir Ihnen nun noch den „kleinen Liebes Trick“, der nach Ansicht einiger Wissenschaftler helfen kann, beim anderen Geschlecht zu landen:

Machen Sie es sich zunutze, dass sich Verliebtheit anfühlt als wenn man „Schmetterlinge im Bauch hat“. Dafür sind nämlich so ziemlich die gleichen Hormone zuständig, die auch in Momenten mit erhöhtem Stress und leichter Angst oder Unsicherheit ausgeschüttet werden.

Unser Dating-Tipp: Gehen Sie mit ihrer/ihrem Angebeteten beim zweiten oder dritten Date in einen Seilpark zum klettern, auf eine Achterbahn im Vergnügungspark oder, wenn Sie es können, bei etwas stärkerem Wind auf ein Segelboot. Im richtigen Moment – nämlich dann, wenn ordentlich Adrenalin und Co. am Werk sind werden – unterstützen ein paar tiefe Blicke, ein paar Sicherheit und Schutz gebende Berührungen das Liebeswerben deutlich. Zumindest biochemisch kann der Körper die Signale von ängstlicher Unsicherheit und Verliebtheit nämlich in dieser Situation nicht korrekt unterscheiden 😉


Illustration: © olly – Fotolia.com

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