Dating im Dunkeln – DIE Alternative bei der Partnersuche?

Hätte es im Dunkeln auch gefunkt? (Quelle: linz_ellinas by flickr.com)

Da sitzt man mit wildfremden Menschen im stockdustern. Eine befremdliche Situation. Im Fernsehen ist man zwar nicht allein und muss keine Übergriffe fürchten, aber unheimlich ist ein Dating im Dunkeln trotzdem. Was hat man von dem Wissen, dass man von Kameras beäugt wird, wenn man einfach nichts sehen kann?

Man muss schon ganz schön viel Vertrauen haben. Was ist, wenn man unvermittelt angefasst wird? Ich erschrecke mich doch zu Tode! Und was ist das da überhaupt auf dem Teller? Wie man nach dem Essen so ausschaut, sieht ja erst mal keiner, aber ich mag es schon, wenn ich noch erkennen kann, was ich da esse. Im Dunkeln hat man ja keine Ahnung, was wirklich serviert wird. Zumal einen die Geschmacksnerven schon manchmal trügen, wenn man nichts sieht. Känguruhoden, Regenwurmsalat … man sieht´s ja nicht.

Und da haben wir es schon … die Geschmacksnerven. Die können einen nicht nur trügen, was das Essen betrifft, sondern auch unseren Dating-Partner betreffend. Ist Dating im Dunkeln (zumindest für sehende Menschen) nicht so verführerisch wie ein Internet-Chat? Wird man da nicht hingerissen, Sachen auszuplaudern, die man bei Lichte betrachtet lieber noch eine Weile für sich behalten würde? Mir zumindest würde es genau so gehen. Und bei Lichte kann man sich dann zunächst gar nicht in die Augen schauen, so peinlich berührt die Erkenntnis, wem man da seine Geheimnisse anvertraut hat.

Dating im Dunkeln ist eine sehr intime und auch erotische Situation. Daraus erwachsen aber nicht unbedingt reale Liebesgeschichten. Eher wurde ich ein solches Treffen unter Lebenserfahrung und Extremsituation zu verbuchen.

Die erste Staffel von Dating im Dunkeln lief im letzten Herbst ja recht erfolgreich. So hat RTL gleich noch ein paar Folgen hinterherproduziert. Doch es ist eben nur ein Fernsehformat, künstlich irgendwie, das merken die Zuschauer und das Interesse lässt nach. Diese Staffel ist wohl gleichzeitig auch die letzte Staffel. Im Prinzip passiert ja immer das gleiche und die Pärchenquote ist natürlich auch nicht höher, als in allen anderen Sendungen dieser Art.

Klar, man lernt sich anders kennen und das kann ein Vorteil sein, viele Vorurteile fallen erst mal weg. Wer nicht dem klassischen Schönheitsideal entspricht, hat im Dunkeln Vorteile, denn bei Tageslicht wird er ja sonst schnell als unattraktiv abgeurteilt. Aber das Tageslicht lässt sich nicht aus dem Leben ausschließen, es drängt sich erbarmungslos hinein und dann muss reiner Tisch gemacht werden, dann gibt es sozusagen einen zweiten ersten Eindruck, der den ersten durchaus überlagern kann.

Dating im Dunkeln heißt ja faktisch auch, etwas zu verbergen oder verbergen zu können. Niemand mag gern, wenn etwas verborgen wird und deshalb kann die Überraschung bei Lichte auch schnell in Empörung umschlagen. Wir sind halt keine Blindschleichen, sondern sehr visuell eingestellt. Im Normalfall spielt das Aussehen unseres Partners eine sehr große Rolle. Auch wenn die Ansichten zum Traumpartner dabei weit auseinandergehen, jeder hat eine Vorstellung davon wie er, wie sie aussieht. Jeder kennt Extreme, die er nicht mehr attraktiv findet. Und diese Vorstellungen spielen auch nach einem ersten, unkörperlichen Kennenlernen eine Rolle.

Dating im Dunkeln ist sicherlich mal eine spannende Erfahrung, doch die Wahrscheinlichkeit dadurch den Traumpartner zu finden steigt kein bisschen.

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