Bauer sucht Frau: Alternative Partnersuche per TV?

Der bäuerliche Alltag macht einsam. (Quelle: barockschloss by flickr.com)

Ein Bauer sucht ´ne Frau. Wo tut er das? Auf dem Markt? Bei der Viehauktion? Beim Wirtshausbesuch? Nein, er sucht im Fernsehen!
Denn wenn man viel Privatfernsehen schaut, kommt man nicht umhin zu glauben, dass die Partnersuche über das Fernsehen eine gängige Methode ist und auch noch ziemlich gut funktioniert.

Klar, jeder hat eine gewissen Scheu vor dem Medium. Wer hört sich schon gern sprechen oder schaut gern Videos von sich an!? Aber wenn es alle machen? Immerhin kommt man ins Gespräch und eine Dame findet sich doch auch (selbst wenn der Sender ein bisschen nachhilft), das wird dann am Ende bestimmt klappen mit der großen Liebe – so denken sicher nicht wenige.

Das Problem an solchen Fernsehsendungen ist allerdings, dass einer von beiden Kandidaten irgendwie doof dastehen muss, sonst macht die Sendung keinen Sinn.
Normale“ Kandidaten sind nämlich nicht sehr unterhaltsam. So werden von einem oder auch von beiden Kandidaten die möglichst verrückten Seiten ans Tageslicht gezerrt, während der ganz normale Alltag, so wie ihn jeder von uns kennt, nicht gesendet wird.
Was uns da gezeigt wird, ist also keineswegs das reale Leben des Bauern und seiner (zukünftigen) Frau, sondern das, was der Sender für sendenswert hält. Dazu kommt, dass die Szenen in aller Regel gestellt sind, die Leute sich im Auge der Kamera also gekünstelt und wie Laienschauspieler aufführen. Die großen Emotionen im echten Leben bestehen oft aus Kleinigkeiten, da reicht schon eine Umarmung oder ein Händedruck zur richtigen Zeit und die Gefühle geraten in Wallung. Logisch, dass sich so etwas im Fernsehen schlecht verkaufen lässt.

Das Dumme ist vor allem: Wenn wir viele solcher Fernsehsendungen anschauen, verändert sich unsere eigene Haltung gegenüber den Dingen. Wir erwarten nämlich dann genau das, was wir so oft gesehen haben und sei es „nur“ im Fernsehen. Es sind meist große, überzogene, theatermäßige Gesten. Da reicht es nicht mehr, wenn der Bauer die Angebetete schüchtern lächelnd vom Bahnhof abholt, weil das eben seinem Naturell entspricht. Nein, er muss mit dem Traktor kommen und vorn auf der Gabel muss ein bequemes Sofa stehen, sonst glauben wir nicht an seine Liebe.

Schade, dass sich das Leben immer mehr nach dem Fernsehen, überhaupt nach den Medien richtet.
Die Zeit, dass dort das wahre Leben gezeigt wurde, ist lange vorbei. Schon lange prägen die Medien selbst die Erwartungen der Menschen und zwar ohne dass diese das auch nur bemerken. Wir wollen, dass das ganze Leben so romantisch und rasant abläuft wie die eine Stunde Fernsehen, die uns eben noch unterhalten hat und vergleichen uns mit den Fernsehfiguren. Dabei sind Figuren und Episoden zu sehr großen Teilen ausgedacht. Auch wenn Reality draufsteht, was da auf 60 Minuten komprimiert wird, hat mit Realität nichts mehr zu tun.

Zudem macht Fernsehen auch noch entsetzlich träge und sollte in keinem Leben und keiner Beziehung zu großen Raum einnehmen. Warum nicht mal selbst um die Wette Fahrrad fahren, als sich Rennfahrer nur im TV anzuschauen? Eigene Erfahrungen machen, das ist das große Potenzial unseres Lebens, nicht nur anderen Menschen beim Erfahrungen machen zuzuschauen.

Was wir da im Fernsehen sehen, wird nach den Kriterien der Einschaltquote geformt und soll letzten Endes dazu dienen möglichst viel Geld einzuspielen. Es geht kein bisschen darum den Horizont der Zuschauer zu erweitern, beispielsweise durch Tipps zum Thema Partnersuche. Ganz im Gegenteil, wir werden auch noch irregeleitet.

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